Nahaufnahme eines Hartmetallbohrers auf einer Fliese: richtige Drehzahl und Wasserkühlung beim Fliesenbohren

Wie viel Umdrehungen beim Fliesen bohren? Drehzahl-Tabelle für Keramik, Feinsteinzeug & Glas

Die kurze Antwort: Mit Wasser 1.200–1.500 U/min, ohne Wasser gar nicht. Zum Anbohren drehst du langsam, bis die Spitze in der Glasur greift, dann drehst du hoch. Am Akkuschrauber heißt das: Anbohren in Gang 1, Bohren in Gang 2, Schlag aus. Die Werte stammen aus unserer Bedienungsanleitung und aus Standzeit-Tests in Feinsteinzeug.

Hohe oder niedrige Drehzahl: Was ist richtig beim Fliesenbohren?

Der verbreitete Rat „so langsam wie möglich" stimmt nur für den Moment des Anbohrens. Beim Durchbohren gilt das Gegenteil: Dreht ein Hartmetallbohrer langsam und du drückst, reibt die Schneide mehr, als sie schneidet. Das Loch dauert fünfmal so lang, und die Wärme sammelt sich an der Spitze. Dreht der Bohrer zügig und die Bohrstelle ist nass, schneidet er in Sekunden durch und bleibt kühl.

So sieht das in unseren Tests aus (Feinsteinzeug, Rotation ohne Schlag, etwa 15–20 kg Anpressdruck):

Drehzahl Wasser Standzeit Zeit je Loch
400 U/min nein über 5 Bohrungen ca. 30 s
400 U/min ja über 30 Bohrungen ca. 30 s
1.200 U/min nein über 10 Bohrungen ca. 6 s
1.200 U/min ja über 50 Bohrungen ca. 6 s

Die Reihenfolge der Hebel ist damit klar: Wasser ist der größte, Drehzahl der zweite. Die Werte sind Richtwerte aus internen Tests und keine Garantie; Fliesenhärte, Durchmesser, Maschine und Technik verschieben sie.

Drehzahl-Tabelle: Fliesen, Feinsteinzeug, Glas und Naturstein nach Bohrerdurchmesser

Richtwerte für Hartmetallbohrer mit Wasserkühlung:

Material Anbohren Bohren 5–8 mm Bohren 10–12 mm Druck Wasser
Glasierte Wandfliese (Steingut) langsam, bis die Spitze greift 1.200–1.500 U/min 1.200–1.500 U/min, vorgebohrt mittel, gleichmäßig ja
Bodenfliese (Steinzeug) langsam 1.200–1.500 U/min vorgebohrt 15–20 kg ja
Feinsteinzeug langsam 1.200–1.500 U/min vorgebohrt, mit 6 oder 8 mm 15–20 kg Pflicht, ab der ersten Sekunde
Sanitärkeramik, Porzellan sehr langsam, sehr leichter Druck 1.200–1.500 U/min vorgebohrt leicht Pflicht
Naturstein (Granit, Marmor) langsam 1.200–1.500 U/min vorgebohrt mittel, mit Pausen Pflicht, Bohrer zwischendurch im Wasser kühlen
Glas, Spiegel sehr langsam unteres Ende, etwa 1.200 U/min ab 10 mm Diamant-Bohrkrone so wenig wie möglich Pflicht

Die Logik hinter der Spalte „10–12 mm": Eine große Spitze läuft auf der Glasur unrund an. Deshalb bohrst du erst mit 6 oder 8 mm vor und bohrst dann auf das Endmaß auf. Glas bricht nicht durch Drehzahl, sondern durch Druck und Spannung, darum dort: fast kein Druck, Werkstück flach auflegen.

Welche Stufe am Akkuschrauber?

  • Gang 1 (meist 0–400 bis 0–600 U/min): zum Anbohren. Schalter nur leicht drücken, bis die Spitze 1–2 mm sitzt.
  • Gang 2 (meist 0–1.500 bis 0–2.000 U/min): zum Durchbohren. Schalter etwa drei Viertel bis ganz durchdrücken, je nach Gerät. Die Leerlaufdrehzahl deines Geräts steht auf dem Typenschild.

Bei einer Bohrmaschine mit Stellrad wählst du eine mittlere Stufe und stellst den Schlag aus, solange du in der Fliese bist. Ein Akkuschrauber ist für Fliesen oft die bessere Maschine: Er hat keinen Schlag, den du vergessen könntest, und die Drehzahl lässt sich fein dosieren.

Wie viel Druck beim Fliesenbohren?

Kräftig und gleichmäßig, ohne Gewalt: etwa 15–20 kg, das entspricht 150–200 N. Wer das Gefühl dafür bekommen will, drückt die Maschine einmal auf eine Personenwaage. Kommt der Bohrer nicht weiter, hilft nicht mehr Druck, sondern Wasser und eine kurze Pause. Beim Anbohren und kurz vor dem Durchbruch nimmst du den Druck fast ganz weg.

Wie heiß darf der Bohrer werden?

Eine Gradzahl bringt dir nichts, weil du sie beim Bohren nicht messen kannst. Entscheidend ist, dass die Hartmetallschneide nie so heiß wird, dass sich die Lötverbindung zum Schaft und die Bindung im Hartmetall lösen. Ab dann ist der Bohrer stumpf, und das lässt sich nicht rückgängig machen. Die Warnzeichen kommen vorher:

  • Das Wasser an der Bohrstelle zischt oder verdampft.
  • Das Bohrmehl wird dunkel statt hell.
  • Rauch, Quietschen, Anlauffarben am Schaft.

Bei jedem dieser Zeichen: sofort absetzen, Bohrer und Bohrstelle nachkühlen, mit mehr Wasser weiterbohren. Solange die Bohrstelle nass bleibt und das Bohrmehl hell ist, bist du im grünen Bereich.

Fliesenbohrer kühlen: So bleibt die Bohrstelle nass

  • Wasser direkt an die Bohrstelle, von außen: Sprühflasche mit dünnem Strahl oder ein nasser Schwamm, den du an den Bohrer hältst.
  • An der Wand: ein kleiner Damm aus Klebeband oder Knetmasse unter der Bohrstelle, mit Wasser gefüllt.
  • Bei mehreren Löchern zwei Bohrer im Wechsel: Einer arbeitet, einer kühlt im Wasserglas.
  • Bei Naturstein und dicken Bodenfliesen Pausen einlegen und den Bohrer zwischendurch im Wasser abkühlen.
  • Nicht den glühenden Bohrer ins kalte Wasser tauchen: Der Temperaturschock kann Spannungsrisse im Hartmetall erzeugen. Kühle vorher, damit er gar nicht erst glüht.

Mit oder ohne Schlag?

Ohne. Schlag zerstört die Schneide, splittert die Glasur und lässt die Fliese reißen. Erst wenn die Fliese komplett durch ist, wechselst du für Ziegel oder Beton auf einen Steinbohrer und darfst den Schlag zuschalten. Das schont auch den Keramikbohrer.

Woran merkst du, dass Drehzahl und Druck stimmen?

  • Richtig: feiner, heller Bohrschlamm, gleichmäßiges Schleifgeräusch, der Bohrer arbeitet sich stetig vor, ein 6-mm-Loch in Feinsteinzeug dauert Sekunden, nicht Minuten.
  • Zu trocken oder zu heiß: Rauch, dunkles Bohrmehl, Quietschen. Stoppen, kühlen, Wasser.
  • Zu viel Druck: Der Bohrer stockt, die Maschine brummt. Druck zurücknehmen, Wasser nachlegen.
  • Zu langsam beim Durchbohren: Das Loch dauert eine halbe Minute und länger, die Spitze wird trotz Wasser warm. Drehzahl hoch.

Häufige Fragen

Wie viel Umdrehungen für Feinsteinzeug?

1.200–1.500 U/min mit Wasser, langsam angebohrt. 10 und 12 mm mit 6 oder 8 mm vorbohren. Feinsteinzeug ist das Material, bei dem Wasser am meisten bringt: über 50 Bohrungen statt über 5.

Wie viel Umdrehungen für Glas?

Am unteren Ende des Bereichs, mit minimalem Druck und durchgehend Wasser. Glas verzeiht Druck am wenigsten. Für Löcher ab 10 mm nimmst du eine Diamant-Bohrkrone.

Kann ich zu langsam bohren?

Ja. Langsam ist nur beim Anbohren richtig. Wer das ganze Loch bei ein paar hundert Umdrehungen und mit Druck bohrt, reibt die Schneide warm und braucht fünfmal so lang. Anbohren langsam, dann hochdrehen.

Warum empfehlen andere Anleitungen „so langsam wie möglich"?

Viele dieser Angaben gelten für das Trockenbohren oder für Glasbohrer mit Lanzettenspitze. Trocken ist langsam tatsächlich das kleinere Übel, aber jede trockene Bohrung kostet Standzeit. Unsere Angabe gilt für Hartmetall-Keramikbohrer mit Wasserkühlung, und dort ist zügig und nass die Kombination mit der längsten Standzeit.

Mit oder ohne Schlag?

Ohne, solange du in Fliese, Keramik, Glas oder Naturstein bist. Schlag erst im Mauerwerk dahinter, und dort mit dem Steinbohrer.

Passende Bohrer: RAMMBOCK Keramikbohrer-Set, 5–12 mm. Alle Regeln auf einer Seite: Produkt-Support Hartmetallbohrer.

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